Wozu nutzt Ihnen die systemische Pädagogik?

Andere Menschen in ihrem Leben und Wachstum zu begleiten – sei es bspw. als Lehrerin, Erzieherin oder Sozialpädagogin – ist einer der wichtigsten, herausforderndsten und nobelsten (Be-)Rufe, die es in einer Gesellschaft gibt und die Menschen zusammenbringen. Wohlwollende Mentoren, abgeklärte Lehrende sowie weise Begleiter zu allen Zeiten waren und sind immer auch Menschen mit kreativer Intuition, geistreicher Vernunft, reifem Konfliktaustrag und vor allem einem wohlwollenden Herz (auch sich selbst gegenüber). Lehrerinnen, die mehr als nur unterrichten, Pädagogen, die mehr als bloß fürsorgen, Menschen, die andere positiv anregen, sind letztlich selber als Wanderer im unbekannten und spannenden Gelände des Lebens unterwegs. 

In den letzten Jahren sind die Belastungen und Herausforderungen in den pädagogischen Berufen gewachsen – insbesondere in den Bereichen der Beziehungsgestaltung, Interaktion und Kommunikation. Heute sind Sie als Pädagogin stärker unmittelbar als Person betroffen und gefragt. Als Mit-Erziehende oder verstehender Begleiter wollen Sie für andere Menschen Orientierung gebender Grenzgänger sein. Zugleich müssen Sie aber auch für sich selber sorgen und auf die eigenen Bedürfnisse, Werte, Echtheit, Grenzen, Gefühle und Träume achten. Und all das in komplizierten Institutionen wie Schule, Kindergarten oder sozialpädagogischen Einrichtungen, während Gesellschaft, Familien und Werte sich stetig weiter wandeln (und meist schneller als die eben genannten Institutionen).  

Je bewusster Ihnen Chancen und Grenzen der verschiedenen Rollen bzw. Funktionen als Pädagogin sind, desto leichter ist es, auf Ihre eigene Gesundheit zu achten, Freude im Beruf zu empfinden und auch erfolgreich andere Menschen zu begleiten. In Beziehungsgestaltung und Beratung – Bereiche, die auch große berufliche Freude und Zufriedenheit bringen können – sind Sie als Pädagoge i.d.R. nur unzureichend ausgebildet worden. Im Umgang mit Gruppen und in der Begleitung von Menschen ist es aber fundamental wichtig, mit der Aufmerksamkeit bei seinem eigenen Wohlbefinden zu sein und zugleich sowohl engagiert als auch distanziert präsent zu sein, um situationsangemessen, authentisch, integer und wirkungsvoll zu handeln.

Was macht die systemische Pädagogik aus?

Die systemische Pädagogik unterscheidet sich in ihren Grundideen und Folgerungen von anderen pädagogischen Ansätzen. Eine zentrale systemische Idee ist, dass gezielte Einwirkung auf andere mit verlässlich herstellbaren Ergebnissen nicht möglich ist, da der Mensch hierfür zu komplex und autonom ist. Auch ist er durch seine biographischen und lebensweltlichen Kontexte stark und oftmals nachhaltiger beeinflusst als durch (s)einen Begleiter. Dies hat wichtige Konsequenzen: eher herausfordernde für die pädagogische Beziehungsgestaltung, bei der persönliche Präsenz und professionelle Kommunikationskompetenz wichtiger wird. Und eher versöhnliche für die Lern-Verantwortung der jungen Menschen, wo gerade den hochengagierten Pädagoginnen eine neue, guttuende Bescheidenheit nahelegt bezüglich der Erreichbarkeit der Lernziele der jungen Menschen durch die Begleiter.

Einige Gesichtspunkte systemischer Pädagogik sollen hier kurz genannt werden. Sie sind als Einladung zu verstehen, das Repertoire eigener Sichtweisen und Handlungschancen als Pädagoge in Frage zu stellen und – falls für Sie stimmig – zu erweitern. Vielleicht auch dazu, sich in dem ein oder anderen, was Sie sich schon immer gedacht haben, bestärken zu lassen. Diese Thesen spiegeln zugleich wesentliche Teile meines Verständnisses systemisch- konstruktivistischer Pädagogik, wie ich es in meinen Fortbildungen vertrete.